Kurier 25.10.20

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25.10.2020

DJ Elektra und die voll oage Familie

Die griechische Tragödie rund um Elektra als heftiges Solo-Schauspiel mit Live-Multimedia-Musik und Video – und Bezügen zu heute.

von Heinz Wagner

6Rita Hatzmann und Georg Luksch-ELEKTRA-2020 Szenenfoto4

Frau bringt ihren Mann um. Das zerstört das Verhältnis zur gemeinsamen Tochter. Die will den ermordeten Vater rächen. Ihr Bruder, den die Mutter weit weg gegeben hat, weil sie fürchtet, der Fluch, der auf der Familie lastet, würde ihn auch zu einer Bluttat zwingen, wird den Wunsch der Tochter erfüllen (müssen). Und das sind noch bei Weitem nicht alle Umbringungen bei den Tantaliden, dem besagten argen Clan. Viele bekannten Theatertragödien – ob aus der griechischen Antike oder von Shakespeare erfüllen jenen Spruch, der Heimito von Doderer zugeschrieben wird: „Wer sich in Familie begibt, kommt darin um.“

Ärgste Familie

Dennoch scheint jene von Elektra (bei Homer hieß sie Laodike), ihrem Bruder Orest, den Eltern Klytämnestra, Agamemnon und weiteren Verwandten vielleicht zu den blutigsten Familiengeschichten zu gehören. Schon in der Antike wurde sie mehrfach erzählt – von Sophokles, Aischylos und Euripides. In der Neuzeit gibt’s unzählige Theaterversionen, Richard Strauß machte aus dem Stoff eine Oper.

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Sehr heutige Version

Nun feierte „Elektra“ vom kleinen „Ensemble 21“ im jungen Spielort „Gleis 21“ im Sonnwendviertel (Neubaugebiet beim Hauptbahnhof) seine Premiere. Neu geschrieben, inszeniert und in allen Rollen gespielt, und das sehr auf den Punkt gebracht, heftigst, kalte Schauer über den Rücken laufen lassend von Rita Hatzmann-Luksch. Kongenial ergänzt, erweitert, unter„malt“ durch Live-Musik von Georg O. Luksch. Begleitet im Stil eines künstlerischen Musik-Videos (Experimentalfilmer Erich Heyduck). Optisch betont durch mitunter blitzige, dann wieder spooky Lichtstimmungen (Lukas Kaltenbäck).

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Starkes Schauspiel + ebensolche Live-Musik

In DJ-Manier spielt er auf analogen Musikgeräten von einer „keltischen“ Harfe aus Pakistan, die an eine griechische Lyra erinnert über ein Glockenspiel und Geräusch-Instrumente ebenso wie auf digitalen Mischpulten. Sie agiert an drei verschiedenen Mikrophonen sowohl als Erzählerin als auch in den Rollen der Hauptfiguren, zwischen denen sie fast nahtlos hin- und her switcht. Von Angst, die aus den Augen blitzt bis zur beinahe unbändigen Mordlust lässt sie das Publikum alles erahnen, fast spüren. Ihre Sprache/Stimme wird in der Musik oft verdoppelt – jeder der Charaktere hat ihren/seinen eigenen Sound.

1Rita Hatzmann und Georg Luksch-ELEKTRA-2020 Szenenfoto1


Langer persönlicher Bezug

Mit 15 Jahren hat Rita Hatzmann bei den Salzburger Festspielen in „Elektra“ als Komparsin mitgespielt, erzählt sie dem Kinder-KURIER ihre erste Berührung mit dem Stoff. Die heftigere folgte: Trennung der Eltern, Mitleid mit dem Vater, zu dem sie zieht und Verweigerung des Kontakts mit der Mutter. Später Zorn auf den Vater, der sie gegen die Mutter aufwiegelt. Noch später stößt sie auf den psychologischen Begriff des Elektra-Komplexes. Der bekannte analytische Psychologe C. G. Jung hat ihn für eine „überstarke Bindung einer weiblichen Person an den Vater bei gleichzeitiger Feindseligkeit gegenüber der Mutter“ Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt und ihn als „weibliches Gegenstück zum Ödipuskomplex“ bezeichnet.

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Aktuelle Bezüge

Einerseits der sehr persönliche Bezug und andererseits die uns ständig über Medien bekannt werdenden blutigen Familientragödien, zeigen das noch größere Drama, dass es sich nicht nur um von Künstler_innen ausgedachte Geschichten handelt.

Sowohl auf den Umgang der Menschen untereinander, insbesondere aus patriarchalen Strukturen geboren, als auch jenen der Menschheit mit „Mutter“ Erde weist Rita Hatzmann am Ende eindringlich hin. Bei der Premiere, die der Kinder-KURIER besuchte, kam dies (noch?) ein bisschen zu unvermittelt und mit einer Spur zu sehr predigend. 

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Elektra

Von und mit Rita Hatzmann-Luksch und Live-Musik: Georg O. Luksch

Visueller Background vom Experimentalfilmer Erich Heyduck

Licht: Lukas Kaltenbäck
Technik – Licht und Ton: Sebastian Oszwald und Sebastian Scholz

Wann & wo?
13., 14., 20., 21. November 2020
8. und 9. Jänner 2021
Jeweils 18.00 Uhr & 20.30 Uhr
Gleis21 Kulturraum
1100 Wien; Sonnwendviertel
Bloch-Bauer-Promenade 22
Telefon: 0677 / 634 715 33
ticket@ensemble21.at
http://www.ensemble21.at/elektra.html

https://www.events.at/e/ensemble21-elektra

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